Oedipa Maas und eine Post, die es nicht geben dürfte.
Lesen →Rezensionen: Bücher neben „Der Vorleser“
Fünf Bücher von Pynchon bis Roddy Doyle, die man nach „Der Vorleser“ lesen kann, auch wenn sie mit ihm wenig zu tun haben.
Bücher nach „Der Vorleser“
Wer „Der Vorleser“ zu Ende gelesen hat, sucht oft nach einem nächsten Buch, das genauso lange nachwirkt. Bernhard Schlinks Roman erzählt von Michael Berg, von Hanna Schmitz, von Scham, Schuld und dem Schweigen einer Generation. Eine Fortsetzung dazu gibt es nicht, und ein Buch, das ihm in allem gleicht, auch nicht. Die Rezensionen auf dieser Seite gehen deshalb einen anderen Weg: Sie stellen Romane und Erzählungen vor, die auf ihre eigene Art von Menschen erzählen, die nicht in das Bild passen, das sich ihre Umgebung von ihnen macht.
Die Auswahl reicht von Kalifornien über New York und Los Angeles bis nach Edinburgh und Dublin, und von 1939 bis 2013. Es gibt einen Rätselroman, einen Arbeiterroman, einen Roman ohne Handlung, einen Band mit Kurzgeschichten und einen Roman über einen Mann, der in der Lebensmitte an Krebs erkrankt. Was diese Bücher verbindet, ist kein Thema, sondern eine Haltung: Sie sind ehrlich, auch dort, wo es unbequem wird.
Wer zuerst die Grundlagen zu Schlinks Roman sucht, findet sie in der Zusammenfassung von „Der Vorleser“ und in der Interpretation mit den wichtigsten Motiven. Die Besprechungen hier setzen danach an.
Die fünf Besprechungen
Thomas Pynchon: Die Versteigerung von No. 49
Pynchons zweiter Roman von 1966 ist zugleich sein kürzester und der beste Einstieg in ein Werk, das sonst schnell einschüchtert. Die Hausfrau Oedipa Maas wird Testamentsvollstreckerin ihres früheren Geliebten und stößt dabei auf Tristero, ein geheimes Postsystem, das seit Jahrhunderten im Verborgenen arbeiten soll. Ob es Tristero wirklich gibt, bleibt offen. Die Rezension zu „Die Versteigerung von No. 49“ zeigt, warum gerade das den Reiz ausmacht.
Charles Bukowski: Der Mann mit der Ledertasche
Bukowskis erster Roman von 1971 erzählt von Henry Chinaski und seinen elf Jahren bei der Post in Los Angeles. Es geht um zermürbende Arbeit, Pferdewetten, Whiskey und Frauen, und um die Entscheidung, am Ende alles hinzuwerfen und zu schreiben. Die Buchvorstellung fragt, was das Buch heute noch zu sagen hat.
Henry Miller: Wendekreis des Steinbocks
Der Roman erschien 1939 in Paris und war in den USA jahrzehntelang verboten. Miller erzählt von seinen Jahren in New York, ohne Plot und ohne Rücksicht auf die Moral seiner Zeit. Die Rezension zum „Wendekreis des Steinbocks“ erklärt, für wen sich die anstrengende Lektüre lohnt.
Irvine Welsh: The Acid House
Ein Jahr nach „Trainspotting“ veröffentlichte Welsh 1994 diesen Band mit Kurzgeschichten und einer Novelle aus Edinburgh und Leith. Gott trinkt Bier in einer Kneipe, ein junger Mann tauscht auf einem LSD-Trip den Körper mit einem Baby. Die Buchvorstellung zu „The Acid House“ beschreibt den schwarzen Humor und die Sprache dieser Geschichten.
Roddy Doyle: Punk is Dad
Jimmy Rabbitte aus „The Commitments“ ist 2013 zurück, inzwischen 47, Vater von vier Kindern und an Krebs erkrankt. Doyle erzählt fast nur in Dialogen und schafft es, aus einem Buch über Krankheit eines der komischsten seiner Romane zu machen. Mehr dazu steht in der Buchvorstellung zu „Punk is Dad“.
Wie die Rezensionen entstehen
Jede Besprechung beginnt mit einer kurzen Einordnung: Wann ist das Buch erschienen, welche Stellung hat es im Werk des Autors, und unter welchem Titel ist es auf Deutsch zu finden? Danach folgt der Inhalt, so weit, dass man weiß, worauf man sich einlässt, ohne dass jede Wendung verraten wird. Der wichtigste Teil ist die Bewertung: Was gelingt, was nicht, und warum. Am Ende steht ein Fazit mit zwei klaren Hinweisen, für wen sich das Buch lohnt und für wen eher nicht.
Neben dem Text gehören zu jeder Seite das Cover der Verlagsausgabe, ein paar Randnotizen und die häufigsten Fragen zum Buch. Die Randnotizen verweisen auf Bücher, die gut dazu passen, und manchmal auf solche, die das genaue Gegenteil sind.
Spiel und Literatur
Ein eigener Bereich des Lesejournals widmet sich Büchern über Glücksspiel: Listen zu Spielautomaten, Poker, Blackjack und Casinos, dazu eine Besprechung von Ben Mezrichs „21“ und eine Filmkritik zu Martin Scorseses „Casino“. Wer sich dafür interessiert, findet alles unter Spiel und Literatur.
Bukowskis Postbote zwischen Schicht und Rennbahn.
Lesen →New York, Arbeit und Lust, ganz ohne Handlung.
Lesen →Kurzgeschichten aus dem Edinburgh von „Trainspotting“.
Lesen →Jimmy Rabbitte, über zwanzig Jahre nach den Commitments.
Lesen →Die Handlung von Schlinks Roman in drei Teilen.
Lesen →Schuld, Scham und das Schweigen einer Generation.
Lesen →Listen, ein Buch über Kartenzähler und ein Film.
Zur Übersicht →Fragen zu den Rezensionen
01Welche Bücher werden hier besprochen?
Fünf Romane und Erzählbände: „Die Versteigerung von No. 49“ von Thomas Pynchon, „Der Mann mit der Ledertasche“ von Charles Bukowski, „Wendekreis des Steinbocks“ von Henry Miller, „The Acid House“ von Irvine Welsh und „Punk is Dad“ von Roddy Doyle. Dazu kommen die Seiten zu „Der Vorleser“ und der Bereich Spiel und Literatur.
02Was haben diese Bücher mit „Der Vorleser“ zu tun?
Thematisch wenig. Sie stehen hier, weil sie zu den Büchern gehören, die das Lesejournal neben Bernhard Schlinks Roman bespricht. Gemeinsam ist ihnen, dass sie von Menschen am Rand erzählen und von der Frage, wie man mit Schuld, Arbeit oder Krankheit weiterlebt.
03Mit welchem Buch sollte man anfangen?
Wer etwas Kurzes sucht, beginnt mit Pynchons „Die Versteigerung von No. 49“. Wer leicht lesbare Dialoge mag, greift zu Roddy Doyle. Bukowski ist der richtige Einstieg für alle, die derbe Ehrlichkeit schätzen.
04Sind die Bücher auf Deutsch erhältlich?
Alle fünf Bücher sind auf Deutsch erschienen, teils unter anderem Titel als im Original. „Post Office“ heißt auf Deutsch „Der Mann mit der Ledertasche“, „The Guts“ wurde zu „Punk is Dad“. „The Acid House“ behielt seinen Originaltitel.
05Wie sind die Rezensionen aufgebaut?
Jede Besprechung erzählt, worum es geht, ordnet das Buch in das Werk des Autors ein, nennt Stärken und Schwächen und endet mit einem Fazit, für wen sich die Lektüre lohnt und für wen eher nicht. Darunter beantworten häufige Fragen das Wichtigste in Kürze.