Der Vorleser Zusammenfassung Inhalt aller drei Teile, Teil für Teil
Die Zusammenfassung von Bernhard Schlinks Roman: alle drei Teile von der Affäre bis zu den Kassetten, die wichtigsten Wendepunkte und das, was man für Unterricht und Prüfung wirklich wissen muss.
Kurz gesagt: der Inhalt von „Der Vorleser“
Michael Berg ist fünfzehn, als er die 36-jährige Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz kennenlernt. Aus einer zufälligen Begegnung wird eine Affäre, in der er ihr vorliest, bevor sie miteinander schlafen. Eines Tages ist Hanna verschwunden. Jahre später sitzt Michael als Jurastudent in einem Prozess gegen ehemalige KZ-Aufseherinnen und erkennt Hanna auf der Anklagebank. Erst dort versteht er, was sie ihr Leben lang verborgen hat: Sie kann weder lesen noch schreiben.
Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die drei Lebensabschnitte abbilden: die Jugend Michaels in den späten Fünfzigerjahren, das Studium in den Sechzigern mit dem Prozess und die Jahrzehnte danach, in denen Michael Hanna Kassetten ins Gefängnis schickt. Wichtig für jede Zusammenfassung: Erzählt wird alles im Rückblick, von einem erwachsenen Michael, der zu verstehen versucht, was damals geschehen ist und welchen Anteil er selbst daran hatte.
Steckbrief
- AUTOR
- Bernhard Schlink
- ERSCHIENEN
- 1995, Diogenes Verlag, Zürich
- AUFBAU
- 3 Teile, 17 + 17 + 12 Kapitel
- ERZÄHLER
- Michael Berg, Ich-Form, im Rückblick
- ORT
- eine ungenannte Stadt, erkennbar Heidelberg
- ZEIT
- 1958 bis in die Neunzigerjahre
- VERFILMT
- 2008 als „The Reader“
Teil I · Die Affäre
Im Herbst 1958 wird Michael auf dem Heimweg von der Schule übel. Er hat Gelbsucht, und eine fremde Frau kümmert sich um ihn, wäscht ihn ab und bringt ihn nach Hause. Nach Monaten im Krankenbett geht er zu ihr, um sich mit Blumen zu bedanken. Hanna Schmitz ist Straßenbahnschaffnerin, wortkarg und bestimmt. Als Michael sie heimlich beim Anziehen beobachtet, flieht er, kommt aber wieder. Bald beginnt eine Liebesbeziehung, die Michael vor Eltern und Freunden verbirgt.
Die Treffen folgen einem festen Ritual aus Vorlesen, Duschen und Miteinanderschlafen. Hanna will, dass Michael ihr vorliest: Homers „Odyssee“, Schillers „Kabale und Liebe“, Lessings „Emilia Galotti“, Tschechows „Die Dame mit dem Hündchen“. Sie hört aufmerksam zu und reagiert heftig, wenn ihr eine Figur nicht gefällt. Gleichzeitig bleibt sie unberechenbar. Bei einer gemeinsamen Fahrradtour hinterlässt Michael ihr morgens einen Zettel und findet sie später außer sich vor Wut, weil sie geglaubt habe, er sei einfach gegangen. Den Zettel will sie nie gesehen haben.
Mit der Zeit wendet Michael sich wieder seinen Mitschülern zu, verbringt Nachmittage im Schwimmbad und verleugnet Hanna vor seinen Freunden. Als sie eines Tages am Rand des Bads steht und er zögert, zu ihr zu gehen, ist sie kurz darauf verschwunden. Ihre Wohnung ist leer, bei der Straßenbahn hat sie gekündigt, obwohl man sie zur Fahrerin ausbilden wollte. Michael glaubt lange, sie sei seinetwegen gegangen, und trägt dieses Gefühl von Schuld mit in die nächsten Jahre.
Teil II · Der Prozess
Sieben Jahre später studiert Michael Jura. Er besucht mit einem Seminar einen Prozess gegen frühere Aufseherinnen eines Außenlagers von Auschwitz. Eine der Angeklagten ist Hanna. Vor dem Ende des Kriegs hatte sie eine Stelle bei Siemens und wechselte von dort zur SS. Kern der Anklage ist eine Nacht auf einem Todesmarsch: Die Gefangenen waren in einer Kirche eingesperrt, die nach einem Bombenangriff in Brand geriet. Die Aufseherinnen öffneten die Türen nicht. Nur eine Mutter und ihre Tochter überlebten.
Hanna verbirgt lieber eine Schuld, die größer wirkt, als eine Scham, die ihr kleiner vorkommt.DEUTUNG · LESELAMPE
Hanna verteidigt sich ungeschickt und offen, während ihre Mitangeklagten sich gegenseitig decken. Als ein Bericht über die Brandnacht auftaucht, behaupten die anderen, Hanna habe ihn geschrieben. Das Gericht will eine Schriftprobe. Hanna gibt lieber zu, den Bericht verfasst zu haben, als vor allen zu zeigen, dass sie nicht schreiben kann. In diesem Moment versteht Michael die Zusammenhänge: das Vorlesen, den verschwundenen Zettel, die Kündigung vor der Beförderung. Hanna hat ihr Leben so eingerichtet, dass niemand ihr Geheimnis entdeckt.
Michael könnte das Gericht über Hannas Analphabetismus aufklären und ihre Strafe mindern. Er spricht mit seinem Vater, einem Philosophieprofessor, der ihm sagt, man dürfe über einen Erwachsenen nicht gegen dessen Willen entscheiden. Michael schweigt. Er fährt allein zu dem ehemaligen Lager, um zu verstehen, was dort geschehen ist, und kommt mit mehr Fragen zurück. Hanna wird zu lebenslanger Haft verurteilt, die anderen Angeklagten erhalten kürzere Strafen.
Teil III · Die Kassetten
Michael wird nicht Anwalt oder Richter, sondern Rechtshistoriker. Er heiratet, bekommt eine Tochter und lässt sich wieder scheiden. Nach der Trennung beginnt er, Bücher auf Kassetten zu sprechen, und schickt sie Hanna ins Gefängnis, zuerst die „Odyssee“, später viele weitere. Einen Brief legt er nie bei. Mit Hilfe der Kassetten und der gedruckten Bücher aus der Gefängnisbibliothek lernt Hanna lesen und schreiben. Sie schickt Michael kurze Grüße in ungelenker Schrift, liest Elie Wiesel, Primo Levi und Tadeusz Borowski.
Nach 18 Jahren Haft soll Hanna entlassen werden. Die Gefängnisleiterin bittet Michael, sich um Wohnung und Arbeit zu kümmern, da er der einzige Kontakt ist. Er besucht Hanna eine Woche vor der Entlassung und findet eine alte Frau vor, die ihm fremd geworden ist. Am Morgen des Tages, an dem er sie abholen will, nimmt sich Hanna in ihrer Zelle das Leben. Sie hinterlässt Geld in einer Teedose und den Wunsch, es der überlebenden Tochter aus dem Prozess zu geben.
Michael fliegt nach New York zu dieser Tochter, deren Buch über das Lager er aus der Zeit des Prozesses kennt. Sie lehnt das Geld ab, behält aber die Teedose. Auf ihren Vorschlag hin geht das Geld in Hannas Namen an eine jüdische Organisation, die sich gegen Analphabetismus einsetzt. Rund zehn Jahre nach Hannas Tod schreibt Michael die Geschichte auf, wohl in der Hoffnung, sich von ihr zu lösen. Wie die Figuren im Einzelnen angelegt sind, zeigt die Charakterisierung der Figuren.
Die Zusammenfassung für Schule und Abitur
„Der Vorleser“ steht in mehreren Bundesländern im Lehrplan der Sekundarstufe. Wer eine Inhaltsangabe oder eine Zusammenfassung schreibt, sollte die drei Teile klar trennen und für jeden den Wendepunkt nennen: das Verschwinden Hannas am Ende von Teil I, das Geständnis zur Schriftprobe in Teil II und Hannas Tod kurz vor der Entlassung in Teil III. Hilfreich ist es, die Erzählsituation mitzudenken: Alles, was man über Hanna erfährt, stammt aus Michaels Erinnerung und ist von seiner Sicht gefärbt.
Typische Aufgaben fragen nach Michaels Schweigen im Prozess, nach Hannas Scham, nach der Rolle des Vorlesens und nach dem Verhältnis der Nachkriegsgeneration zur Schuld der Eltern. Diese Themen sind in der Interpretation von „Der Vorleser“ ausgeführt. Wer den Film schon kennt, findet auf der Seite zu Film und Besetzung die wichtigsten Unterschiede zwischen Roman und Verfilmung, und die Startseite bündelt alle Seiten zu Buch und Film.
- Teil I: Begegnung, Affäre, Vorleseritual, Hannas Verschwinden.
- Teil II: Prozess, Michaels Erkenntnis, Gespräch mit dem Vater, Urteil.
- Teil III: Kassetten, Hanna lernt lesen, ihr Tod, Besuch in New York.
Was oft gefragt wird
01Wie alt sind Hanna und Michael, als sie sich kennenlernen?
Michael ist fünfzehn, Hanna sechsunddreißig. Die Handlung setzt 1958 ein, als Michael an Gelbsucht erkrankt und Hanna ihm auf der Straße hilft.
02Ist „Der Vorleser“ eine wahre Geschichte?
Nein. Hanna, Michael und der Prozess sind erfunden. Der Roman greift aber die realen Verfahren gegen NS-Täterinnen und -Täter in der Bundesrepublik auf und die Frage, wie die Kinder der Täter mit dieser Vergangenheit umgehen.
03Warum gibt Hanna ihren Analphabetismus vor Gericht nicht zu?
Für Hanna wiegt die Scham, nicht lesen und schreiben zu können, schwerer als die Strafe. Sie gibt lieber zu, den belastenden Bericht verfasst zu haben, und wird dafür zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Interpretation geht diesem Motiv ausführlich nach.
04Wie endet „Der Vorleser“?
Nach 18 Jahren Haft soll Hanna entlassen werden, und Michael will sie abholen. Am Morgen dieses Tages nimmt sie sich in ihrer Zelle das Leben. Ihr Erspartes geht auf Wunsch der Tochter, die das Lager überlebt hat, an eine jüdische Organisation gegen Analphabetismus.
05Wie viele Kapitel hat „Der Vorleser“?
Der Roman besteht aus drei Teilen mit 17, 17 und 12 Kapiteln, zusammen also 46 Kapiteln. Die Kapitel sind kurz, oft nur wenige Seiten lang.
06In welcher Stadt spielt der Roman?
Die Stadt wird nie genannt. Straßen, Fluss und Universität lassen aber erkennen, dass Schlink an Heidelberg gedacht hat, wo er selbst aufgewachsen ist.