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Bernhard Schlink Jurist und Romancier: Leben, Bücher und Preise

Der Autor von „Der Vorleser“: sein Weg vom Rechtsprofessor und Verfassungsrichter zum international gelesenen Schriftsteller, alle Bücher von „Selbs Justiz“ bis zum Essay von 2026 und die wichtigsten Preise.

Geboren 1944Jurist und Autor7 Min. Lesezeit
Gemalter Innenhof einer alten Universität mit Arkaden und Herbstlaub (mit AI erstelltes Bild) AI
Mit AI erstelltes Bild
AUTOR VSchlink

Lebensweg: von Bielefeld nach Heidelberg und Berlin

Bernhard Schlink wurde am 6. Juli 1944 in Großdornberg bei Bielefeld geboren, das heute zu Bielefeld gehört. Aufgewachsen ist er in Heidelberg, der Stadt, die in „Der Vorleser“ ungenannt, aber erkennbar den Hintergrund bildet. Er studierte Rechtswissenschaft in Heidelberg und Berlin, wurde 1975 in Heidelberg promoviert und habilitierte sich 1981 in Freiburg.

Damit war der Weg in die Wissenschaft vorgezeichnet. Die Literatur kam später hinzu, zunächst als Nebenbeschäftigung eines Rechtsprofessors, der Kriminalromane schrieb. Erst mit „Der Vorleser“ wurde Schlink einem breiten Publikum bekannt, in Deutschland und weit darüber hinaus. Bis heute verbindet sein Werk beide Welten: Viele seiner Bücher kreisen um Recht, Schuld und die Frage, wie die Vergangenheit in die Gegenwart hineinreicht.

Steckbrief

GEBOREN
6. Juli 1944, Großdornberg bei Bielefeld
AUFGEWACHSEN
Heidelberg
STUDIUM
Rechtswissenschaft, Heidelberg und Berlin
BERUF
Jurist, Professor, Verfassungsrichter, Schriftsteller
BEKANNT DURCH
„Der Vorleser“ (1995)
VERLAG
Diogenes

Der Jurist: Professor und Verfassungs­richter

Von 1982 bis 1991 war Schlink Professor für öffentliches Recht an der Universität Bonn. Danach lehrte er von 1991 bis 1992 in Frankfurt am Main, dort auch Sozialrecht und Rechtsphilosophie. Ab 1992 war er Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte. Als Gastprofessor unterrichtete er außerdem über viele Jahre an der Cardozo School of Law in New York.

Gemalter Lesesaal einer juristischen Bibliothek mit hohen Regalen und grünen Leselampen (mit AI erstelltes Bild) AI
Juristische Bibliotheken waren lange Schlinks eigentlicher Arbeitsplatz.Mit AI erstelltes Bild

Neben der Lehre war Schlink von 1988 bis 2006 Richter am Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. Diese Erfahrung mit dem Recht in der Praxis ist in seinen Romanen spürbar. Michael Berg, der Erzähler von „Der Vorleser“, studiert Jura und wird Rechtshistoriker; Gerichtsverfahren, Paragrafen und das Abwägen von Schuld ziehen sich durch das ganze Werk. Wie das im Roman zusammenkommt, zeigt die Interpretation von „Der Vorleser“.

Der Schriftsteller: vom Krimi zum Weltbestseller

Schlinks erster Roman „Selbs Justiz“ erschien 1987, gemeinsam geschrieben mit Walter Popp. Er begründete die Reihe um den Privatdetektiv Gerhard Selb, einen älteren Mann mit belasteter Vergangenheit, die mit „Selbs Betrug“ und „Selbs Mord“ fortgesetzt wurde. Schon hier geht es um das, was später sein großes Thema wird: die Verstrickung Einzelner in die Geschichte des Nationalsozialismus und die Frage, ob man sich davon lösen kann.

1995 erschien „Der Vorleser“ im Diogenes Verlag. Der Roman wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt, stand als erstes deutsches Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times und wurde 1999 für Oprah’s Book Club ausgewählt. 2008 folgte die Verfilmung von Stephen Daldry, über die die Seite zu Film und Besetzung informiert. Die Handlung des Romans steht in der Zusammenfassung von „Der Vorleser“.

Gemalter Schreibtisch am hohen Fenster einer Altbauwohnung mit Füller, Manuskriptseiten und Kaffeetasse (mit AI erstelltes Bild) AI
Mit AI erstelltes Bild
SCHREIBENNeben Romanen schreibt Schlink Erzählungen, Essays und ein Theaterstück.

Nach dem Welterfolg schrieb Bernhard Schlink weiter Romane und Erzählungen. „Die Heimkehr“ und „Das Wochenende“ greifen erneut deutsche Vergangenheit auf, „Olga“ erzählt ein Frauenleben vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit, „Die Enkelin“ führt in die Geschichte der deutschen Teilung. „Das späte Leben“ von 2023 handelt von einem Mann, der weiß, dass ihm nur noch wenig Zeit bleibt. Daneben veröffentlichte Schlink Essaybände wie „Vergewisserungen“, „Vergangenheitsschuld“ und „Erkundungen“, 2021 das Theaterstück „20. Juli“ und 2026 „Gerechtigkeit. Ein Essay“.

Alle Bücher von Bernhard Schlink

Die folgende Liste nennt die erzählenden Werke in der Reihenfolge ihres Erscheinens, ergänzt um das Theaterstück und den jüngsten Essay. Die frühen Essaybände sind im Text oben genannt und hier nicht eigens aufgeführt.

JahrTitel und Gattung
1987„Selbs Justiz“, Kriminalroman, mit Walter Popp
1988„Die gordische Schleife“, Kriminalroman
1992„Selbs Betrug“, Kriminalroman
1995„Der Vorleser“, Roman
2000„Liebesfluchten“, Erzählungen
2001„Selbs Mord“, Kriminalroman
2006„Die Heimkehr“, Roman
2008„Das Wochenende“, Roman
2010„Sommerlügen“, Geschichten
2014„Die Frau auf der Treppe“, Roman
2018„Olga“, Roman
2020„Abschiedsfarben“, Erzählungen
2021„Die Enkelin“, Roman
2021„20. Juli. Ein Zeitstück“, Theaterstück
2023„Das späte Leben“, Roman
2026„Gerechtigkeit. Ein Essay“, Sachbuch

Wer mit Schlink anfangen möchte, beginnt meist mit „Der Vorleser“. Für Krimileser bietet sich die Selb-Reihe an, für Leser von Erzählungen „Liebesfluchten“ mit sieben Geschichten über Liebe, Verrat und Erinnerung.

Preise und Auszeich­nungen

Für seine Kriminalromane erhielt Bernhard Schlink früh Anerkennung in der Krimiszene, für „Der Vorleser“ dann internationale Literaturpreise. Später kamen staatliche Ehrungen hinzu. Der Hans-Fallada-Preis, der Grinzane-Cavour-Preis, der Prix Laure Bataillon und der Evangelische Buchpreis galten ausdrücklich dem Roman „Der Vorleser“, der WELT-Literaturpreis dagegen dem Gesamtwerk. Die Auszeichnungen aus Frankreich, Italien und Südkorea zeigen, wie weit seine Bücher über den deutschsprachigen Raum hinaus gelesen werden. Die wichtigsten Stationen in der Übersicht:

  • 1989 Friedrich-Glauser-Preis
  • 1993 Deutscher Krimi Preis
  • 1997 Grinzane-Cavour-Preis und Prix Laure Bataillon
  • 1998 Hans-Fallada-Preis
  • 1999 WELT-Literaturpreis für das Gesamtwerk
  • 2000 Evangelischer Buchpreis
  • 2001 Ritter der Ehrenlegion
  • 2004 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • 2014 Park-Kyung-ni-Literaturpreis
  • 2023 Max-Friedlaender-Preis

Weiter geht es mit dem Roman selbst: Die Zusammenfassung erzählt alle drei Teile nach, die Figuren sind einzeln charakterisiert. Alle Themen rund um Buch und Film sind auf der Startseite versammelt.

Häufige Fragen

Was oft gefragt wird

01

Wann und wo wurde Bernhard Schlink geboren?

Am 6. Juli 1944 in Großdornberg bei Bielefeld, das heute ein Stadtteil von Bielefeld ist. Aufgewachsen ist er in Heidelberg.

02

Welchen Beruf hat Bernhard Schlink?

Schlink ist Jurist. Er war Professor für öffentliches Recht in Bonn, Frankfurt am Main und an der Humboldt-Universität zu Berlin und von 1988 bis 2006 Richter am Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen.

03

Was ist das bekannteste Buch von Bernhard Schlink?

„Der Vorleser“ von 1995. Der Roman wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt, stand als erstes deutsches Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times und wurde 2008 als „The Reader“ verfilmt.

04

Was ist das neueste Buch von Bernhard Schlink?

Zuletzt erschien 2026 „Gerechtigkeit. Ein Essay“ bei Diogenes, ein Sachbuch. Sein jüngster Roman ist „Das späte Leben“ von 2023.

05

Welche Krimis hat Bernhard Schlink geschrieben?

Die Reihe um den Privatdetektiv Gerhard Selb: „Selbs Justiz“ (1987, gemeinsam mit Walter Popp), „Selbs Betrug“ (1992) und „Selbs Mord“ (2001). Dazu kommt „Die gordische Schleife“ (1988).

06

Welche Preise hat Bernhard Schlink erhalten?

Unter anderem den Friedrich-Glauser-Preis, den Deutschen Krimi Preis, den Hans-Fallada-Preis, den WELT-Literaturpreis, den Evangelischen Buchpreis und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Frankreich ernannte ihn zum Ritter der Ehrenlegion.